Durch den Klimawandel könnten sich etliche wärmeliebende Krankheitserreger auch in Deutschland etablieren.

Schüttelfrost hat den Patienten gepackt, das Fieber steigt. Er fühlt sich benommen, hat Kopf- und Augenschmerzen. Und er kann nichts tun, denn es gibt bisher keine Behandlung gegen das West-Nil-Fieber. Immerhin ist der Spuk in der Regel in drei bis fünf Tagen vorbei; Spätfolgen bleiben meist nicht zurück. Nur in weniger als einem Prozent aller Erkrankungen kommt es zu Komplikationen wie Hirn- oder Hirnhautentzündungen. Bei alten Menschen allerdings kann die Infektion auch tödlich enden.

 

In Deutschland kommt das West-Nil-Fieber bisher nicht vor. Doch das könnte sich im Zuge des Klimawandels ändern, befürchten Fachleute. "Wenn bei uns die Durchschnittstemperatur nur um zwei Grad ansteigt, können wir es mit einer ganzen Reihe von Viren aus wärmeren Regionen zu tun bekommen", sagt Herbert Schmitz vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Bisher werden hierzulande nur relativ wenige Viruserkrankungen von Insekten oder Zecken übertragen. Ein Beispiel ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), deren Symptome von Sommergrippe bis zu Nervenschäden reichen. Den meisten anderen Viren aber ist es in Mitteleuropa einfach zu kalt. Sie brauchen mindestens ein paar Tage und Nächte lang relativ hohe Außentemperaturen, die auch den Körper der übertragenden Krabbeltiere aufheizen. Nur dann können sie erfolgreich Menschen infizieren.

 

Der erste Schritt zu einer solchen Infektion ist der Stich. Dabei injizieren Zecken und Insekten ihrem Opfer ein Sekret aus ihren Speicheldrüsen, das die Blutgerinnung hemmt. "Nur so kann eine Mücke genug Blut saugen, ohne dass ihr Rüssel verstopft", erläutert Schmitz. Enthält diese flüssige Mahlzeit Viren, so gelangen diese in die Speicheldrüsen des Blutsaugers und können von dort mit dem Sekret auf das nächste Opfer übertragen werden. "Zu einer Infektion kommt es aber nur, wenn der Speichel auch genügend Viren enthält", sagt Schmitz. Um die einhundertausend Erreger pro Milliliter Sekret sollten es schon sein, besagt eine Faustformel der Virologen. Doch um solche Konzentrationen zu erreichen, muss sich das Virus in den Speicheldrüsen tausendfach vermehren. Das aber klappt nur bei ausreichend hohen Temperaturen. "Rasante Zuwachsraten haben viele Erreger, wenn es in den Insekten-Speicheldrüsen etwa 30 Grad warm ist", sagt Herbert Schmitz. Das West-Nil-Virus kommt auch schon mit 26 Grad sehr gut zurecht. Wichtig ist allerdings, dass die hohen Temperaturen ein paar Tage anhalten. Wenn es nachts auf weniger als 20 Grad abkühlt, haben die Viren kaum eine Chance, genügend hohe Konzentrationen zu erreichen. Heiße Sommer mit warmen Nächten aber werden allen Klimamodellen zufolge künftig auch in Deutschland deutlich häufiger auftreten als bisher.

 

Das West-Nil-Virus könnte diese Chance nutzen und hierzulande Fuß fassen. In Nordamerika hat sich der Erreger seit Ende der 90er Jahre rasant ausgebreitet, innerhalb von nur vier Jahren erreichte er 40 US-Staaten. Schließlich sind die Hauptwirte der Erreger Wildvögel, die das Virus auch über lange Strecken transportieren können. Auch in Südfrankreich, Bulgarien und Rumänien hat es schon Ausbrüche der Krankheit gegeben. "Wenn die Temperaturen steigen, kann das Virus von dort aus nach Norden wandern und auch Deutschland erreichen", sagt Schmitz.

 

von Kerstin Viering

 

Wie Sie sich vor Mücken schützen

 

externer Hyperlink in neuem Fenster öffnen von Tim Bartels

 

Weitere Fachinformationen zum West-Nil-Virus erhalten Sie als PDF unter externer Hyperlink in neuem Fenster öffnen www.gesundes-reisen.de/redaktion/Westnil-Fieber_Fachinfo

Weitere Informationen zum Thema Globale Erwärmung und Ausbreitung von Infektionskrankheiten gibt ein gleichlautender Artikel im Bundesgesundheitsblatt Nr. 1/2005 (48:55-62).

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