Solarthermie für Warmwasser und Heizung

Strom aus Solarzellen wird immer beliebter. Aufgrund der hohen Nachfrage klagt die Photovoltaik-Wirtschaft schon über Lieferengpässe. Dagegen will der solarthermische Markt dieses Jahr nicht so recht in Tritt kommen. Es mag daran liegen, dass die meisten Verbraucher Solarwärmeanlagen für deutlich teurer halten, als sie es tatsächlich sind. Nur sieben Prozent, das ergab eine Umfrage der Initiative Solarwärme Plus, schätzen den Preis eines Sonnenkollektors realistisch ein: Die Anschaffungskosten für eine Anlage liegen bei 4.000 bis 5.000 EUR. Darin sind 6 m2 Kollektorfläche, Warmwasserspeicher, Regelungstechnik und Installationsmaterialien sowie Montagekosten enthalten.

Eine Menge Geld kann sparen, wer sich vor dem Kauf einer Anlage über die Fördermöglichkeiten informiert. Dieses Jahr können Hauseigentümer verschiedene Finanzspritzen in Anspruch nehmen: Die Erstinstallation wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 110 EUR pro Quadratmeter bezuschusst. Für einen Vier-Personenhaushalt reichen 6 m2 aus, um rund 60 Prozent Energie für die Warmwasserbereitung durch die Sonne zu gewinnen.

Seit Juni 2004 müssen die geförderten Kollektoren umweltfreundlichen Qualitätsstandards entsprechen. Dies haben die Hersteller gegenüber dem BAFA nachzuweisen. "Sehr gut" lautete beispielsweise das Urteil der Stiftung Warentest zum Modell SolvisMax. Dieser Solarheizkessel ging in der Kategorie Kombi-Anlagen mit integriertem Gasbrenner als Testsieger hervor (test 04/2003). Geprüft wurden Anlagen, die neben der Warmwasserbereitung auch die Heizung unterstützen. Ergebnis: zweimal Sehr gut, achtmal Gut und einmal Befriedigend. Bereits im Jahr 2002 hatte die Internationale Energieagentur europäische Kombi-Anlagen untersucht. SolvisMax erzielte auch hier die höchste Energieeinsparung. Der Solarheizkessel des Braunschweiger Unternehmens Solvis steht mit 28 Prozent Ersparnis am jährlichen Energiebedarf weit vorn. Die energetische Amortisationszeit der Anlage beträgt nur 26 Monate. Nun ist eine solche Anlage nicht für 5 000 EUR zu haben. Doch ist es auch möglich, ebenso wie bei einer einfachen Solarwärmeanlage, die Investition in die kombinierte Technik mit Darlehen zu finanzieren: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet dafür im Rahmen des CO2-Minderungsprogramms Kredite an, zinsverbilligt zwischen 2,1 und 3,4 Prozent pro Jahr (Stand: Januar 2004). Die Laufzeit beträgt zwanzig Jahre bei bis zu drei tilgungsfreien Anlaufjahren.

Ein echter Knüller …

Auf regionaler Ebene gibt es vereinzelt Unterstützung von den Kommunen und Energieversorgungsunternehmen. Einige Hersteller bieten zudem Anreize für eine Investition in umweltschonende Solartechnik. Auch einzelne Bundesländer unterstützen die Anschaffung solarthermischer Anlagen. Unter bestimmten Auflagen stehen Vermietern zinslose Darlehen über zehn Jahre zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist, dass etwa die alte Heizung durch einen Gas-Brennwertkessel mit Solarwärmeanlage ersetzt wird.

Letzteres unternahm der Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Rolf Kreibich, in seinem Einfamilienhaus. Der Forscher scheint mehr als zufrieden zu sein. Er schreibt: "Der Knüller besteht darin, dass ich für die gesamte Wohnfläche einen äußerst günstigen KfW-Kredit und verschiedene Vergünstigungen durch unser örtliches Gasversorgungsunternehmen sowie eine BAFA-Zuwendung für Solarkollektoranlagen in Anspruch nehmen konnte, was dazu geführt hat, dass ich keinerlei Eigenmittel in die Anlage investieren musste und in den kommenden Jahren mehr Kosten durch den verringerten Energieverbrauch einspare als ich zur Abzahlung des KfW-Kredits benötige." Die neue Anlage habe tatsächlich nur Vorteile, notiert Kreibich weiter und zählt auf: Energieeinsparung: ca. 36 Prozent, CO2-Einsparung: 42 Prozent (wegen der Umstellung von Öl auf Gas), Reduzierung schädlicher Abgase wie z.B. Rußpartikel praktisch auf Null, Kosteneinsparung: ca. 34  Prozent (bisher Heizöl: monatlich 175 EUR, jetz Gas: 115 EUR). Und zu guter Letzt hat der Berliner nun auch noch mehr Platz im Keller. Der IZT-Chef entschied sich für SolvisMax und einen Hochleistungskollektor namens SolvisFera. Diese Kombination erreichte im Test mit 1,1 die Bestnote für Leistungsfähigkeit bei geringstem Stromverbrauch und mit 1,6 die Bestnote für Betrieb und Verarbeitung.

… wirtschaftlich wie ökologisch

In Deutschland liefert die Solarthermie bei 6 m2 Kollektorfläche und durchschnittlicher Sonneneinstrahlung pro Jahr etwa 2 000 Kilowattstunden (kWh) Energie. Die reicht aus, um das Wasser für etwa 400 Vollbäder mit je 150 l oder für 2 000 Duschgänge mit je 30 l zu erwärmen. Dabei ist es egal, wo die Anlage das Dach ziert. Die Sonne scheint hierzulande intensiv genug, dass im gesamten Bundesgebiet der Solar-Einsatz sinnvoll ist. Von München bis Hamburg reichen die Sonnenstrahlen aus, um bis zu 60 Prozent Energieeinsparung bei der Warmwasserbereitung zu erzielen.

Die Freiburger werden am meisten verwöhnt: 1 150 kWh Energie treffen dort jährlich auf einen Quadratmeter Oberfläche, Berlin und Dresden bringen es auf Werte von 1 000 kWh. Mit dieser Menge kann man das Wasser für 185 Vollbäder erwärmen. Doch auch in Hannover und Hamburg, wo nur noch 950 bzw. 900 kWh Solarenergie gemessen werden, reichen die Strahlen noch, um 60 Prozent des jährlichen Energiebedarfs für Warmwasser eines Vier-Personenhaushaltes zu decken. Nicht die Anzahl der Sonnenstunden ist nämlich entscheidend, sondern die Energiemenge, die insgesamt auf die Erde strahlt. Denn auch bei Bewölkung fängt der Kollektor Solarenergie ein.

von Tim Bartels

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